Warum AUGENHÖHE nichts mit Menschlichkeit zu tun hat

Vor 13 Monaten feierte AUGENHÖHE – Film und Dialog Premiere und die Resonanz auf dieses Projekt war überwältigend. Es schien und scheint eine große Sehnsucht nach mehr AUGENHÖHE in unserer (Wirtschafts-)Welt zu geben.

Gefühlte einhundert Mal bin ich als eine der Initiatorinnen im letzten Jahr gefragt worden, was AUGENHÖHE für mich bedeutet. Einer Definition habe ich mich stets enthalten, denn es geht mir nicht um den Begriff und seine Bedeutung. Rufe ich mir so manche Resonanz auf AUGENHÖHE in Erinnerung, so klang des Öfteren so etwas durch wie es brauche mehr Wertschätzung und Respekt im Umgang miteinander. Die braucht es mancherorten sicher, man könnte sogar sagen, sie seien eine notwendige Bedingung für erfolgreiche, gemeinsame Leistungserbringung – aber eben keine hinreichende.

Der Blick der Unternehmen, die mich persönlich am meisten faszinieren geht weiter, sie schauen auf ihre Mitarbeiter genauso wie auf ihre Kunden und Lieferanten sowie die Kapitalgeber und nicht zuletzt die Gesellschaft. Sie fragen sich, wie sie in der heutigen schnellen, komplexen und dynamischen Welt voller Überraschungen allen Anspruchsgruppen gerecht werden können. Ein Primat einer Gruppe gibt es dabei nicht – und das hat so manche Implikation.

Es werden Strukturen geschaffen, die mit denen aus tayloristischen Zeiten nicht mehr viel gemein haben, lieb gewonnene und als selbstverständlich genommene Prozesse und Vorgehensweisen auf den Prüfstand gestellt oder gleich ganz abgeschafft und vieles mehr. Da entstehen in Konzernen unglaublich innovative Projektgruppen, ohne dass jemand gesteuert hätte, wer da mitmachen darf. Da experimentiert eine Agentur mit freier Gehaltswahl und eine Klinik verzichtet komplett auf die sonst in Krankenhäusern mehr als ausgeprägten formalen Hierarchien. Mit bemerkenswerten – ökonomischen – Ergebnissen.

Dies alles tun diese Unternehmen nicht primär, um die Arbeit menschenfreundlicher zu machen, sondern um wettbewerbsfähig zu bleiben. Trotzdem – oder gerade deswegen – arbeiten die Menschen in meinen „Lieblingsunternehmen“ gerne – weil sie wirken und sich mit all‘ ihrem Können einbringen können. Etwas, woran man in manchem kleineren und größeren Unternehmen durch interne Vorgaben, Machtspiele und so Zeug nicht selten gehindert wird – und glauben Sie mir, ich weiß wovon ich spreche, habe ich doch selber viele Jahre probiert, in solchen Umfeldern zu wirken.

Vielleicht hat AUGENHÖHE doch mehr mit Menschlichkeit zu tun als ich eingangs behauptete. Man könnte ja sagen, es sei sehr menschlich, alle Anspruchsgruppen in den Blick zu nehmen und nicht eine zum zentralen Leitstern des Handelns zu machen, wie es z.B. durch den Fokus auf Shareholder Value seit einigen Jahrzehnten vielerorts geschieht. Ökonomischer Erfolg bleibt dabei notwendige Nebenbedingung des Wirtschaftens. Denn ohne diesen ist man schlicht pleite und keine der Anspruchsgruppen hat etwas davon.

Nur ist der häufig gezogene Schluss „Erfolg kommt durch Menschlichkeit“ so meines Erachtens nicht haltbar. Man kann Erfolg und Menschlichkeit allerdings oft zusammen beobachten.

Schauen Sie AUGENHÖHE und AUGENHÖHEwege einmal mit dieser Brille – ich bin gespannt auf Ihre Reaktionen!

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